Kursnummer: 22B058106

Arm oder reich - Schicksal oder Selbstbestimmung?

17. AkademieTage in Bietigheim-Bissingen

  • (c) Akademietage

Eine Veranstaltung der Stadt Bietigheim-Bissingen, des Dachverbandes für Seniorenarbeit Bietigheim-Bissingen und der Schiller-Volkshochschule Kreis Ludwigsburg, in Zusammenarbeit mit der Bietigheimer Zeitung.

Reiche werden reicher. Das Kapital konzentriert sich immer mehr, der Einfluss der Reichen auf die Politik steigt. Der Mittelstand dagegen dünnt sich aus und Vielen droht der Abstieg in die Armut. Der Niedriglohnbereich wächst. Aufstieg wird immer schwieriger. Die Gesellschaft droht auseinanderzufallen. Dies düstere Bild wird vielfach gezeichnet. Trifft es tatsächlich so zu?
Wo lägen die Ursachen? Wie wirksam sind die gegenwärtigen Umverteilungsmaßnahmen? Welche Maßnahmen könnten greifen? Brauchen wir ein neues Wirtschaftsmodell? Welche Chancen bietet die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens oder der grundlegend neue Ansatz einer Gemeinwohl-Ökonomie?
Zuletzt: Arm oder reich? Wie finden und bewahren wir Sinn und Glück unter den Bedingungen der modernen, schnelllebigen Zeit?

Mittwoch, 16. November
9.00 Uhr: Begrüßung durch OB Jürgen Kessing

Soziale Schichtung und Ungleichheit in Deutschland: Fakten und subjektive Wahrnehmung
Dr. Judith Niehues, Institut der deutschen Wirtschaft e.V., Köln

Die Themen Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit bewegen die Deutschen: So empfindet ein Großteil der Bundesbürger die hiesigen Verteilungsverhältnisse als eher ungerecht und wünscht sich einen stärkeren sozialen Ausgleich. Umfragen deuten allerdings ebenso darauf hin, dass das Ausmaß gesellschaftlicher Ungleichheit in Deutschland möglicherweise überschätzt wird: Die Mehrheit der Bundesbürger sieht die Gesellschaft als eine Pyramide, mit den meisten Menschen im unteren Bereich. Schichtanalysen identifizieren hingegen eindeutig die Mittelschicht als größte Bevölkerungsgruppe. Auch bei subjektiver Selbsteinordnung stufen sich die meisten Bundesbürger in die Mitte ein, viele mittlerweile auch in höhere Schichten. Nimmt man den abstrakten Wunsch nach Umverteilung genauer in den Blick, sind es dann auch vor allem die Mittelschicht und obere Mittelschicht, die von einer Umsetzung der konkreten Umverteilungspräferenzen profitieren würden.

Pause

11.15 Uhr
Die Zukunft des (bedingungslosen) Grundeinkommens - was es nützt, was es kostet
Prof. Dr. Michael Opielka, Ernst Abbe Hochschule, Jena, Fachbereich Sozialwesen

Die Idee des Grundeinkommens ist nicht neu: jede und jeder erhält von der Gesellschaft eine Garantie für das materielle Überleben, ohne dafür etwas tun zu müssen, als ein soziales Grundrecht. Damit würden die Bürgerinnen und Bürger zu Erben und zugleich zu Schuldnern aller anderen. Es geht dabei um viel Geld und um einen tiefen Eingriff in die Philosophie unserer Gesellschaft. Nicht wer arbeitet, soll essen, sondern jede und jeder. Klar ist aber auch, dass ein solches Grundeinkommen nur das Lebensnotwendige einschließen kann. Damit wird es kompliziert. Es muss in den Sozialstaat und in das Steuersystem eingebaut werden. Der Vortrag schlägt verständlich den Bogen zwischen den großen und den praktischen Fragen.

Mittagspause

14.15 Uhr
Die zerrissene Republik - wirtschaftliche, soziale, politische Ungleichheit in Deutschland
Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Institut für Vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften - Politikwissenschaft, Universität Köln

Seit geraumer Zeit ist die wachsende Ungleichheit das Kardinalproblem unserer Gesellschaft, wenn nicht der gesamten Menschheit. Sozioökonomische Ungleichheit, von den meisten Deutschen hauptsächlich in Ländern wie den USA, Brasilien oder Südafrika verortet, nimmt auch in der Bundesrepublik drastische Formen an. Beispielsweise besitzen 45 hyperreiche Familien genauso viel wie die ärmere Hälfte der hiesigen Bevölkerung, also über 40 Millionen Menschen, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) festgestellt. Zwar sind die Einkommen der Bundesbürger/innen weniger ungleich verteilt, driften aber ebenfalls zunehmend auseinander, was die Spaltung der Gesellschaft verstärkt.

Die zunehmende Ungleichheit beschränkt sich aber nicht auf die asymmetrische Verteilung von Einkommen und privatem Vermögen, erstreckt sich vielmehr auf fast alle Lebensbereiche, etwa Bildung und Ausbildung, Gesundheit, Wohnen, Freizeit und Mobilität. Während daraus im globalen Maßstab ökonomische Krisen, Kriege und Bürgerkriege resultieren, die wiederum größere Migrationsbewegungen nach sich ziehen, sind in Deutschland der gesellschaftliche Zusammenhalt und die repräsentative Demokratie bedroht. Daher wird nicht bloß thematisiert, wie die Kluft zwischen Arm und Reich ent-steht und warum sie sich zuletzt vertieft hat, sondern auch, weshalb die politisch Verantwortlichen darauf kaum reagieren und was getan werden muss, um sie einzudämmen.


Donnerstag, 17. November

9.00 Uhr
Soziale Ungleichheit im deutschen Bildungssystem - Hintergründe und Herausforderungen
Prof. Dr. Kai Maaz, Geschäftsführender Direktor des Leibnitz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF), Frankfurt
Prof. für Soziologie, Universität Frankfurt

Es besteht kein Zweifel daran, dass der Bildungserwerb unabhängig von individuellen Merkmalen wie der sozialen Herkunft sein sollte. Dennoch sind soziale Ungleichheiten des Bildungserwerbs über alle Bildungsstufen gut dokumentiert und gehören zur Realität unseres Bildungssystems. Will man diese Ungleichheiten minimieren, braucht es Wissen über die Entstehungszusammenhänge sozialer Bildungsungleichheiten. Ausgehend von einer Bestandsaufnahme sozialer Ungleichheiten im Bildungssystem werden im Vortrag Entstehungsmechanismen skizziert, die notwendig sind, um Maßnahmen zum Abbau von Bildungsungleichheiten zu ergreifen. Da Ungleichheiten nicht zwingend da entstehen, wo sie sichtbar werden, braucht es einen breiten Ansatz, der sowohl bildungsbereichsübergreifend angelegt ist als auch verschiedene politische Ressorts adressiert. Darauf Bezug nehmend werden abschließend Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung des Bildungssystems herausgearbeitet.

Pause

11.15 Uhr
Gemeinwohl-Ökonomie - ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft?
Mag. Christian Felber, Freier Publizist, Autor, Lehrbeauftragter an versch. Universitäten

Die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) versteht sich als ethische Marktwirtschaft, die nicht auf Gewinnstreben und Konkurrenz beruht, sondern auf Gemeinwohl-Streben und Kooperation. Erfolg wird nicht primär an finanziellen Kennzahlen gemessen, sondern mit dem Gemeinwohl-Produkt (Volkswirtschaft), der Gemeinwohl-Bilanz (Betriebswirtschaft) und einer Gemeinwohl-Prüfung (Finanzwirtschaft) für Investitionen. Die Ungleichheit soll auf ein vernünftiges Maß begrenzt und nur innerhalb der ökologischen Grenzen des Planeten gewirtschaftet werden. Ziel ist es, die Wirkungsweise der Märkte mit den Grundwerten der Demokratie in Einklang zu bringen. Die GWÖ startete 2010 von Österreich aus und hat sich seither in 33 Staaten ausgebreitet. An der internationalen Bewegung kann sich jede Person, Firma, Kommune, Stadt und Region aktiv beteiligen!"

Mittagspause

14.15 Uhr
Arm oder reich - die Suche nach Sinn und Glück
Prof. i. R. Dr. Wilhelm Schmid, Philosoph, Außerplanmäßige Professur an der Uni. Erfurt

Die Suche nach Glück treibt moderne Menschen um, und allen ist zu wünschen, es auch wirklich zu finden. Aber könnte es sein, dass gerade die Jagd nach Glück viele unglücklich macht? Das wäre schade, denn es steht nicht fest, dass Glück überhaupt das Wichtigste im Leben ist. Wichtiger könnte der Sinn sein, wie er etwa in Beziehungen und anderen Zusammenhängen zu erfahren ist. Das führt der Lebenskunst-Philosoph Wilhelm Schmid in seinem Vortrag weiter aus. Menschen leiden unter den Bedingungen der modernen Zeit unter einem Schwinden von Sinn, und Glück ist womöglich nur ein Stellvertreterbegriff für die wichtigere Frage nach Sinn. Häufig fehlt es

kurstermine

  • Mi, 16.11.2022, 09:00 - 11:15 Uhr, Bietigheim-Bissingen, Kronenzentrum, Großer Saal
  • Mi, 16.11.2022, 11:15 - 13:15 Uhr, Bietigheim-Bissingen, Kronenzentrum, Großer Saal
  • Mi, 16.11.2022, 14:15 - 16:15 Uhr, Bietigheim-Bissingen, Kronenzentrum, Großer Saal
  • Do, 17.11.2022, 09:00 - 11:15 Uhr, Bietigheim-Bissingen, Kronenzentrum, Großer Saal
  • Do, 17.11.2022, 11:15 - 13:15 Uhr, Bietigheim-Bissingen, Kronenzentrum, Großer Saal
  • Do, 17.11.2022, 14:15 - 16:15 Uhr, Bietigheim-Bissingen, Kronenzentrum, Großer Saal

kursort

Bietigheim-Bissingen, Kronenzentrum
Kronenplatz 5
74321 Bietigheim-Bissingen

Parkmöglichkeiten:für Gehbehinderte: Barrierefreiheit örtliche Gastronomie: zu Fuß erreichbar Aufzug auch von der Tiefgarage nach oben zu den Vortragssälen.


Weitere Informationen:

Parkplatz am Kaufland

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Beginn 16.11.2022, 08:30 - 16:30 Uhr

Kursnummer22B058106
Dozentin/DozentDr. Judith Niehues
Prof. Dr. Michael Opielka
Prof. Dr. Christoph Butterwegge
Prof. Dr. Kai Maaz
Mag. Christian Felber
Prof. Dr. Wilhelm Schmid
Zeitraum/Dauer2x, 16.11.2022
OrtKronenzentrum, Kronenplatz 5, Großer Saal
Gebühr70,00 €
Erm. Gebühr50,00 €
StatusDer Kurs ist noch frei
 Die Sitzplätze werden nach Reihenfolge der Anmeldung vergeben.
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