Kursnummer: 21B058006

Die Realität des Risikos: Über den vernünftigen Umgang mit Gefahren

Auftaktveranstaltung zu den 15. Akademietagen in Bietigheim-Bissingen

  • Bild: Pixabay, CCO
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Menschen sind Gefahren ausgesetzt und viele dieser Gefahren sind von Menschen verursacht oder beeinflusst. Wir leben nicht heute erst in der "postmodernen Moderne" (Ulrich Beck) in einer "Risikogesellschaft", vielmehr war die Menschheit von jeher Risiken ausgesetzt und hat versucht, diese durch eigenes Tun günstig zu beeinflussen. Bevor Menschheitsgeißeln wie die Pest, die Pocken, Masern etc. durch Hygienemaßnahmen und Impfungen unter Kontrolle gebracht wurden, gehörten Epidemien zu den größten Menschheitsgefahren. Uns ist unterdessen bewusst, dass es damit nicht vorüber ist. Kriege, Umweltzerstörung, Großtechnologien vernichten und gefährden Menschenleben, sind aber allein von Menschen verantwortet.
Die Realität des Risikos zwingt uns zu einer rationalen Auseinandersetzung: Wie sollen wir auf Risiken reagieren und welche Rolle spielend dabei ethische Kriterien? Entscheidungstheorie und Risikoethik bilden den wissenschaftlichen Hintergrund dieses Buches, aber es ist keine wissenschaftliche Abhandlung. Es will Orientierung in Zeiten der Verunsicherung bieten Klarheit im Kopf, damit wir beurteilen können, was zu tun ist.
Die Wissenschaft ist parzelliert in Disziplinen und Subdisziplinen, Forschungsbereiche und Projekte. Die angemessene gesellschaftliche Reaktion in Risikosituationen verlangt dagegen die Zusammenschau vieler Aspekte: statistische, medizinische, naturwissenschaftliche, aber auch ökonomische soziale und kulturelle. Entscheidungen in einer Krise sind abhängig von den politischen und rechtlichen Bedingungen, aber auch von der Form der Kommunikation. Die Corona-Krise hat einerseits gezeigt, dass die demokratischen Institutionen in Deutschland stabil sind, uns aber andererseits die Grenzen der Belastbarkeit vor Augen geführt: die Irrationalitäten in der Kommunikation, das Auseinanderdriften der von Befürwortern und Kritikern ist bis zur Diffamierung, die Schwierigkeit, wissenschaftliche Pluralität auszuhalten, die wachsende Ungleichheit zwischen denjenigen, die persönlich kaum betroffen und denjenigen, deren berufliche und private Existenz bedroht ist.
In einer solche Situation ist Besonnenheit Bürgerpflicht: Wie kann man mit Wahrscheinlichkeiten und Gefahren vernünftig umgehen, Daten richtig interpretieren und sich gegen verbreitete Irrationalitäten wappnen? Auch wenn die Corona-Krise im Laufe der kommenden Monate abklingen wird, müssen wir damit rechnen, dass Herausforderungen ähnlicher Größenordnung auch in Zukunft auftreten werden. Es ist durchaus möglich, dass Zoonosen, also das Ausgreifen eines Virus von einer Tierart auf den Menschen in Zukunft häufiger vorkommen wird, weil sich die natürlichen Lebensräume vieler Arten durch Urwaldrodung und Klimawandel verringern, aber auch Gefahren ganz anderen Typs, die mit der technologischen und ökonomischen Entwicklung zusammenhängen, vor allem aber Klimawandel und der Verlust ökologischer Vielfalt werden die Menschen mit neuen Risiken konfrontieren.

Julian Nida-Rümelin gilt als einer der "renommiertesten Philosophen in Deutschland" (Handelsblatt vom 30.7.2017) und lehrt Philosophie und politische Theorie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. JNR gehörte als Staatsminister für Kultur und Medien dem ersten Kabinett Schröder an. Er ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin und der Europäischen Akademie der Wissenschaften, Direktor am bayrischen Institut für digitale Transformation (bidt). 2016 verlieh ihm die bayrische Staatsregierung die Medaille für besondere Verdienste um Bayern in einem Vereinten Europa. Im Jahre 2019 erhielt er den bayrischen Verdienstorden. Seit Mai 2020 gehört er dem deutschen Ethikrat an.
Im Herbst 2018 erschien eine Monographie zum Thema Digitaler Humanismus: Eine Ethik für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz (Piper Verlag), für das er in Österreich den Bruno-Kreisky-Preis für das beste politische Buch des Jahres erhielt. Im Frühjahr 2020 erschien bei edition Körber das Buch "Die gefährdete Rationalität der Demokratie". Im Frühjahr 2021 veröffentlichte er gemeinsam mit Nathalie Weidenfeld bei Piper "Die Realität des Risikos: Über den vernünftigen Umgang mit Gefahren".

Saalöffnung 18.00 Uhr

Die digitale Broschüre mit dem Programm der AkademieTage erhalten Sie unter www.schiller-vhs.de/akademietage

kurstermine

  • Mo, 18.10.2021, 19:00 - 21:00 Uhr, Bietigheim-Bissingen, Kronenzentrum, Großer Saal

kursort

Bietigheim-Bissingen, Kronenzentrum
Kronenplatz 5
74321 Bietigheim-Bissingen

Parkmöglichkeiten:für Gehbehinderte: Barrierefreiheit örtliche Gastronomie: zu Fuß erreichbar Aufzug auch von der Tiefgarage nach oben zu den Vortragssälen.


Weitere Informationen:

Parkplatz am Kaufland

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Beginn 18.10.2021, 19:00 - 21:00 Uhr

Kursnummer21B058006
Dozentin/DozentProf. Dr. Dr. h.c. Julian Nida-Rümelin
Zeitraum/Dauer1x, 18.10.2021
OrtKronenzentrum, Kronenplatz 5, Großer Saal
Gebühr8,00 €
Erm. Gebühr6,00 €
StatusDer Kurs ist noch frei
 Die Sitzplätze werden nach Reihenfolge der Anmeldung vergeben.
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