Kursnummer: 26B058106
Über unsere Verhältnisse! Ressourcen neu denken: Vom Verbrauch zur Verantwortung
20. AkademieTage in Bietigheim-Bissingen
Unsere Gesellschaft lebt seit Jahrzehnten über ihre ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Das bisherige Modell des Verbrauchs hat seine Grenzen erreicht. Sechs renommierte Expertinnen und Experten beleuchten aus unterschiedlichen Perspektiven, wie wir unser Verständnis von Wachstum, Wohlstand und Verbrauch transformieren können.Eine Veranstaltung der Stadt Bietigheim-Bissingen, des Dachverbandes für Seniorenarbeit Bietigheim-Bissingen und der Schiller-Volkshochschule Kreis Ludwigsburg, in Zusammenarbeit mit der Bietigheimer Zeitung.
Dienstag, 17. November
Einlass ab 8:30, 9 Uhr: Begrüßung durch OB Jürgen Kessing
Cradle to Cradle als Innovationschance
Prof. Dr. Michael Braungart, BRAUNGART EPEA - Internationale Umweltforschung GmbH Hamburg
Herkömmlicher Umweltschutz versucht meist, den ökologischen Fußabdruck durch Verzicht und Einsparung zu minimieren. Cradle to Cradle (C2C) hingegen setzt auf ein radikal neues Designverständnis: Produkte werden von vornherein so entwickelt, dass sie nach ihrer Nutzung nicht zu Abfall werden, sondern als wertvolle Ressourcen erhalten bleiben. Dabei wird zwischen biologischen Kreisläufen, in denen Materialien als Nährstoffe in die Natur zurückkehren, und technischen Kreisläufen unterschieden, bei denen hochwertige Rohstoffe zurückgewonnen werden können. Der Vortrag beleuchtet, wie wir die Herausforderungen unserer Zeit durch intelligente Gestaltung meistern können. Anstatt „weniger schlecht“ zu handeln, geht es darum, einen positiven Beitrag für Mensch und Umwelt zu erzielen. Prof. Dr. Michael Braungart erläutert anhand konkreter Beispiele, wie Gebäude wie Bäume und Städte wie Wälder funktionieren können. Das Ziel ist eine Kreislaufwirtschaft, in der alles als Nahrung für etwas Neues dient und der Mensch durch sein wirtschaftliches Handeln keinen Schaden anrichtet, sondern einen nützlichen Beitrag für das Ökosystem leistet.
Pause
11.15 Uhr
Zur Zukunft und Nachhaltigkeit der Automobilindustrie in Deutschland
Dr. Stefan Pfahl, Tübingen, bis 2025 in der Produktstrategie der Mercedes-Benz AG für die Antriebs-, CO2- sowie Nachhaltigkeitsstrategie in leitender Position, aktuell am DLR und am KIT Karlsruhe als Lehrkraft
Die deutsche Automobilindustrie befindet sich mitten in einer tiefgreifenden Veränderung. Protektionistische Tendenzen, neue Wettbewerber aus China mit dramatisch kürzeren Entwicklungszeiten und niedrigeren Kosten, strengere Regulierung und veränderte Kundenerwartungen stellen ein über Jahrzehnte erfolgreiches Geschäftsmodell infrage. Die Transformation hin zur Elektromobilität scheint diese Entwicklung noch zu beschleunigen. Noch ist die Branche zentral für Wohlstand, Beschäftigung und technologische Kompetenz in Deutschland und Europa. Der Vortrag untersucht, wie es gelingen kann, das industrielle Potenzial dieser Branche am Standort zu sichern und weiterzuentwickeln. Welche Rolle spielen Gesetze, Innovationskultur, Batterieforschung und -produktion, Ladeinfrastruktur, erneuerbarer Strom oder auch neue Mobilitätskonzepte? Und wie kann eine erfolgreiche Industrialisierung elektrischer Antriebe aussehen – mit konsequenter Nutzung von KI, Baukastensystemen, Skalierung und relevanter Wertschöpfung in Europa? Im Mittelpunkt steht also die Frage, welche Entscheidungen jetzt nötig sind, um ein positives Zukunftsbild zu entwickeln.
Mittagspause
14:15 Uhr
Nachhaltigkeit per Gesetz? Chancen und Grenzen der Lieferkettenpolitik
Dr. Franca Angela Bülow, Leuphana Universität Lüneburg
Globale Lieferketten verbinden unseren Alltag mit Produktionsbedingungen rund um den Globus. Doch Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen zeigen: Freiwillige Unternehmensverantwortung reicht oft nicht aus. Mit neuen gesetzlichen Regelungen versucht Europa, Nachhaltigkeit verbindlich einzufordern – auch über nationale Grenzen hinaus. Der Vortrag gibt einen verständlichen Überblick über die Ziele und Instrumente der Lieferkettenpolitik und beleuchtet ihre Chancen: mehr Transparenz, stärkere Rechenschaftspflichten und neue Impulse für nachhaltiges Wirtschaften. Zugleich werden strukturelle Grenzen sichtbar: Wie wirksam können nationale Gesetze in globalen Produktionsnetzwerken sein? Wer setzt die Regeln – und wer wird gehört? Anhand aktueller Forschung zur Governance globaler Wertschöpfungsketten zeigt der Vortrag, warum Nachhaltigkeit per Gesetz ein wichtiger, aber kein einfacher Schritt auf dem Weg „vom Verbrauch zur Verantwortung“ ist.
Mittwoch, 18. November
9.00 Uhr
Wie können wir die Welternährung nachhaltig sichern?
Prof. Dr. Regina Birner, Universität Hohenheim, Stuttgart
Die Sicherung der Welternährung ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Die internationale Gemeinschaft hat sich in ihren globalen Nachhaltigkeitszielen dazu verpflichtet, den Hunger in der Welt zu beenden, eine bessere Ernährung für alle zu gewährleisten und eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Doch wie können wir dieses Ziel erreichen, auch unter dem Einfluss des Klimawandels und einer weiterhin steigenden Weltbevölkerung? Wie können kleinbäuerliche Betriebe im Globalen Süden, z. B. in afrikanischen Ländern, nachhaltig mehr Nahrungsmittel erzeugen? Welche Rolle spielen dabei agrar-ökologische Ansätze und was können technologische Innovationen, wie etwa digitale Tools, leisten? Und was kann eine Verringerung des Konsums tierischer Produkte im Globalen Norden zur Sicherung der Welternährung beitragen? Diese Themen werden in dem Vortrag auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und anhand anschaulicher Beispiele erläutert.
Pause
11.15 Uhr
Weniger Konsum ist mehr – viel nachhaltige Verantwortung und reichlich Lebensglück
Prof. Dr. Ingo Balderjahn, Universität Potsdam
Der Klimawandel ist durch menschliches Handeln verursacht. Zu hohe Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre infolge weltweit steigender Wirtschaftsleistungen sowie Zuwächsen von Wohlstand und Konsum heizen die Erde bedrohlich auf. Jeder Bürger trägt mit seinem Konsum zu dieser Entwicklung bei. Ihm kommt insofern auch eine Verantwortung zu, persönlich mitzuhelfen, den Klimawandel zu bekämpfen. Freiwillig weniger zu konsumieren, als die eigenen finanziellen Verhältnisse es zuließen, ist eine gute Gelegenheit dafür. Den Konsum herunterzufahren ist wirksam, kostet nichts und wird der eigenen Verantwortung für das Klima gerecht. Allerdings haben es Menschen nicht leicht, sich persönlich vom Überkonsum zu verabschieden. Soziale Konsumnormen sowie die menschliche Abneigung, etwas verlieren zu können, erschweren den Schwenk auf klimafreundliche Konsumgewohnheiten. Es ist insofern eine beachtliche persönliche Herausforderung, sich dem Klimawandel entgegenstellen zu wollen. Dabei hilft ein fester Wille zur Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Wer diese Herausforderung meistert, wird reichlich belohnt mit Erfüllung und Lebensglück sowie mit einem zuversichtlichen Blick auf die Zukunft.
Mittagspause
14.15 Uhr
All you need is less: Kurzer Streifzug durch die Postwachstumsökonomik
Prof. Dr. Niko Paech, Universität Siegen
Die lang gehegte Hoffnung, dass wirtschaftliches Wachstum durch technischen Fortschritt nachhaltig oder klimafreundlich gestaltet, also von Umweltschäden entkoppelt werden kann, ist längst an der Realität zerschellt. Das offenkundige Scheitern einer ökologischen Modernisierung impliziert, dass allein eine Reduktionsstrategie, bezogen auf Industrieproduktion, Techniknutzung, Konsum und Verkehr zur Wiedererlangung der ökologischen Überlebensfähigkeit der menschlichen Zivilisation führen kann. Daran knüpft das Konzept der Postwachstumsökonomie an. Die Frage nach deren politischer Durchsetzbarkeit verweist auf eine Gespensterdebatte, denn die substanzielle Basis nicht nur der mitteleuropäischen Komfortzone schwindet, was sich am Prozess einer nicht aufzuhaltenden De-Industrialisierung ablesen lässt.
kurstermine
- Di, 17.11.2026, 09:00 - 15:45 Uhr, Bietigheim-Bissingen, Kronenzentrum, Großer Saal
- Mi, 18.11.2026, 09:00 - 15:45 Uhr, Bietigheim-Bissingen, Kronenzentrum, Großer Saal
kursort

Bietigheim-Bissingen, Kronenzentrum
Kronenplatz 5
74321 Bietigheim-Bissingen
Parkmöglichkeiten:für Gehbehinderte: Barrierefreiheit örtliche Gastronomie: zu Fuß erreichbar Aufzug auch von der Tiefgarage nach oben zu den Vortragssälen.
Weitere Informationen:
Parkplatz am Kaufland
Beginn 17.11.2026, 09:00 - 15:45 Uhr
| Kursnummer | 26B058106 |
| Dozentin/Dozent | Prof. Dr. Michael Braungart Dr. Stefan Pfahl Dr. Franca Angela Bülow Prof. Dr. Niko Paech Prof. Dr. Regina Birner Prof. Dr. Ingo Balderjahn |
| Zeitraum/Dauer | 2x, 17.11.2026 |
| Ort | Kronenzentrum, Kronenplatz 5, Großer Saal |
| Gebühr | 75,00 € |
| Erm. Gebühr | 53,00 € |
| Status | Der Kurs ist noch frei |


